Und was haben wir daraus gelernt?

Wie bei jeder Pause in der Schule war auch diese Pause viel zu schnell vorbei. Als wäre man gerade erst aus der letzten Stunde ins Lehrerzimmer gegangen. Als wäre die Schlange vorm Kopierer noch kein bisschen kürzer geworden. Und als hätte es genau in dem Moment geklingelt, als man gerade in sein Pausenbrot beißen will.

Jetzt bin ich also wieder hier und genau wie jeder unserer vorbildlichen Schüler nach dem Unterricht, reflektiere ich das letzte halbe Jahr und frage mich: Was habe ich eigentlich daraus gelernt?

Ich habe gelernt, dass man sich nicht vornehmen sollte, regelmäßig zu bloggen, wenn man nicht weiß, welches Highspeed-Internet einen unterwegs erwartet.
Ich habe gelernt, dass es tatsächlich Länder gibt, in den Lehrer einen Bonus bekommen, wenn sie pünktlich zu ihrem Unterricht erscheinen.
Ich habe gelernt, dass man stundenlange Gespräche führen kann, ohne die selbe Sprache zu sprechen.
Und ich habe gelernt, dass ich die Lehrerin in mir wohl niemals ganz abschalten kann:
„Oh schau mal! Was für ein wunderbares Plakat. Das MUSS ich für meine Schüler fotografieren.“
„Diese Werbung habe ich doch letztes Jahr noch in der Schule besprochen. Die MUSS ich einfach fotografieren.“
„DIESEN Stempel finde ich in Deutschland bestimmt nirgendwo.“
„Was für eine tolle Geschäftsidee. Ich sollte ein Logo dafür entwickeln lassen.“

Ich bin vollbepackt mit neuen Ideen, anderen Perspektiven und asiatischer Werbung mit mindestens 20 Eyecatchern pro Plakat. Ich habe genug Postkarten gesammelt, um mein Fach im Lehrerzimmer jeden Monat neu zu dekorieren.  Ich bin also startklar, auch wenn ich es nicht geschafft hab, das Pausenbrot ganz zu essen. Denn das beste an der großen Pause ist ja auch, dass es immer zwei davon gibt ;)

Carina

 

 

Vagabundenleben

Auf Koh Samui begegnen einem an jeder Ecke neue Freunde: große, kleine, mit langen oder kurzen Beinen, einfarbig, zweifarbig, absolut bunt. Und eins haben sie alle gemeinsam – einen treuen Blick, der sich bei jedem sofort ins Herz schleicht. Manche begleiten uns bis zur nächsten Straßenecke, andere warten mit uns am Meer auf den Sonnenuntergang und wieder andere freuen sich über einen Schluck frisches Wasser. Die meisten Straßenhunde leben hier ein Vagabundenleben und scheinen damit glücklich zu sein.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch solche, denen es richtig, richtig schlecht geht. Der Straßenverkehr ist hier so katastrophal, dass jeden Tag Hunde angefahren werden. Gebrochene Beine und schlimmere Verletzungen sind keine Seltenheit. Hinzu kommen Krankheiten und die Tatsache, dass es einfach immer mehr werden. Genau um diese Hunde kümmert sich die Dog and Cat Rescue Foundation und das ganze kostenlos. Wir waren heute in der Auffangstation, wo die Hunde und Katzen zum Beispiel kastriert/sterilisiert werden, um nach einer Woche wieder zurück in ihr Territorium frei gelassen zu werden. Gleichzeitig leben hier Hunde für den Rest ihres Lebens, weil sie auf der Straße eine Überlebenschance von 5 Minuten hätten. Bis vor 16 Jahren gab es auf Koh Samui noch nicht einmal einen Tierarzt. Heute gibt es einen einzigen.
Am liebsten hätten wir mal wieder alle gerettet, aber fürs erste mussten ein paar Stunden Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten ausreichen.

Zwischenbilanz

Drei Monate ist es her, dass die „große Pause“ eingeläutet wurde. Drei Monate dauert es noch, bis ich den letzten Flug in Richtung Heimat buchen muss. Zeit für eine Zwischenbilanz.
Die sechs Monate schienen fast endlos lang, wie ewig lange Sommerferien, nicht wie eine Pause. Jetzt gerade fühlt es sich eher an, wie der schnelle Schluck Kaffee bevor es zur nächsten Unterrichtsstunde geht.
Was stand bisher auf dem Stundenplan, was habe ich gelernt – über andere Länder, Menschen, Kulturen, über mich?
Als ich meinen Rucksack gepackt habe, habe ich all mein Hab und Gut auf 9 Kilo reduziert und das schien mir schon unglaublich wenig. Mittlerweile habe ich schon zwei mal aussortiert, Klamotten verschenkt und trage immer noch so viel Kram mit mir rum, den ich noch nicht einmal benutzt habe. Es scheint eben doch möglich, nur mit Handgepäck zu reisen, wie viele Weggefährten bewiesen haben.
Es gibt so viele Kleinigkeiten, die ich zurück in Deutschland vermissen werde. Die Schuhe auszuziehen, bevor ich in eine Wohnung, einen Supermarkt oder ein Hostel gehe. An einem kleinen Tisch auf dem Boden zu essen. Jeden Abend den jetzt aber wirklich schönsten Sonnenuntergang der Welt zu beobachten.
Und trotzdem gibt es auch das ein oder andere, worauf ich mich freue: richtiges Brot mit echten Körnern. Omas Pellkartoffeln. Und den Pausengong. Ich habe nämlich so viele Ideen unterwegs gesammelt, dass es mindestens bis zur achten Stunde reicht.

Die Rechnung bitte

Neulich in einem kleinen Familienrestaurant in Thailand:
image

image

Hauptsächlich werden wir mit netten Wünschen überhäuft, nur wer ganz genau hinschaut, kann auch den Betrag entdecken, den wir bezahlen müssen.

Einfach abschalten?

Je länger ich drüber nachdenke, um so passender finde ich den Titel unserer Kategorie „Große Pause“. Wie oft haben wir schon darüber geredet, dass die Pause uns eben doch nicht allein gehört: da werden weiterhin „Geht auch ganz schnell“-Fragen beantwortet, Last minute Kopien gemacht, Telefongespräche entgegen genommen und manchmal zwischendurch sogar vom Pausenbrot abgebissen.
Und auch hier am anderen Ende der Welt schleicht sich so manche Unterrichtsidee in meinen Kopf. Ich entdecke Plakate, die jedem meiner Gestaltungsschüler die Haare zu Berge hätten stehen lassen. (Meine lieben zukünftigen Gestalter, da kommt eine Menge Arbeit auf euch zu!) In einem Süßwarengeschäft in Little India in Singapur stolpere ich über eine Schokolade, die mich an eine äußerst amüsante Unterrichtsstunde erinnert. Ich kaufe sie fast nur, damit ich ein Foto machen kann. Manche Speisekarten sind so witzig übersetzt, dass die Englischlehrerin am liebsten den Rotstift zücken würde. Wie wäre es mit einer Sandwitch? Oder hat noch jemand einen Sandwish? Und auf dem Weihnachtsmarkt bei 30 Grad freue ich mich schon auf den ersten Punsch mit den Kollegen im nächsten Jahr.
Die Tür vom Lehrerzimmer ist eben nie ganz zu. Aber wollen wir das überhaupt?

Kunst, überall Kunst!

Georgetown auf Penang in Malaysia ist eine Stadt, die mein Tafeltantenherz höher schlagen lässt: noch nie habe ich ein Stadt mit so einer Atmosphäre erlebt, die ich kaum beschreiben kann: an wirklich jeder Ecke ist Kunst zu finden, gemalt, aus Metall oder aus der Sprühdose. Für das Streetart-Festival bin ich leider etwas zu spät, aber zum Glück kann man diese Kunst ja nicht einfach wegräumen.
Ich weiß, dass ich eine Pause mache, aber so 100%ig geht das nicht immer. Während ich wie ein wildgewordener Tourist jedes Bild knipse, das mir vor die Linse kommt, habe ich schon die eine oder andere Idee für den Gestaltungs-Unterricht, wenn ich wieder da bin. Oder wie wäre es mit einer Bildbeschreibung à la Banksy in Englisch?

image

image

image

image

Liebe auf den 2.Blick

Nach 28 Tagen verlassen wir Sri Lanka. Nach Balapitiya, Ambalangoda, Hikkaduwa, Galle, Kandy, Kegalle, Hatton, Delhousie, Trincomalle, Anuradapura und Negombo steigen wir in den Flieger und landen in Kuala Lumpur, Malaysia.Wahrscheinlich war es in Sri Lanka nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick, aber auf den zweiten. Natürlich freuen wir uns auf ein neues Abenteuer, neue Leute, aber wir schließen nicht aus, noch einmal zurückzukommen. Vielleicht liegt es an den Menschen, die ausnahmslos immer ein Lächeln auf den Lippen haben, egal wann, wo und unter welchen Umständen. Oder es liegt an der Natur. In so einem kleinen Land haben wir so viele unterschiedliche Landschaften gesehen: ewig lange Strände, Berge, deren Gipfel in den Wolken verschwinden, grüne Tee-  (und matschige Reis-)felder, alte Ruinen, Höhlen, Seen, Städte. Oder es liegt an den vielen Vierbeinern, die uns so oft ein Stück begleitet haben. Oder am Essen?

Natürlich ist Sri Lanka nicht nur schön und romantisch. An manchen Ecken hält man lieber kurz die Luft an, die größeren Städte sind unfassbar laut und voller Abgase, fast überall liegt Müll, in den meisten Unterkünften sollte man nicht ganz so genau hinschauen und wenn man so manche Straßenhunde hier sind, kämpft man schon mal mit den Tränen und würde am liebsten alle direkt adoptieren.

Aber trotzdem hat sich Sri Lanka in mein Herz geschlichen. Wahrscheinlich sind es hauptsächlich die Menschen, die im Zug nicht nur auf ihr Smartphone starren, sondern sich unterhalten wollen, und wenn es auch nur mit Händen und Füßen ist. Die einem UNBEDINGT helfen wollen, auch wenn man gar keine Hilfe braucht.

Carina