Die Werwölfe erobern die Schule

Kartenspiele sind einfach nicht mein Ding. Ich bin meist schon frustriert, bevor es richtig losgeht, weil ich mehrere Runden angestrengt versuche zu vertuschen, dass ich keine Ahnung habe, warum ich wann welchen Zug machen muss. Wenn ich dann endlich die Regeln verinnerlicht habe, ist das Spiel meist schon wieder vorbei.

Als meine Schüler mit dem Kartenspiel “Die Werwölfe vom Düsterwald” um die Ecke kamen, war ich zunächst weniger begeistert, zumal die Spielregeln auf den ersten Blick ziemlich kompliziert erscheinen.

Zum Glück habe ich mich aber trotzdem auf das Spiel eingelassen, da es ein echter Geheimtipp ist. Durch mein ständiges Nachfragen habe ich meinen Schülern glaube ich die ersten Runden ein bisschen verdorben;-) , aber wenn man einmal den Bogen raus hat, macht es richtig Spaß, in den Düsterwald aufzubrechen.

Ziel des Spiel ist es, die Werwölfe, die im Düsterwald wohnen, zu enttarnen und somit die Dorfgemeinschaft vor ihnen zu retten. Dafür erhält jeder Spieler eine Rollenkarte, die er verdeckt vor sich legt. Dann wird es Nacht im Düsterwald und alle außer dem Spielleiter schließen die Augen. Der Spielleiter ruft die einzelnen Charaktere, die alle unterschiedliche Funktionen erfüllen, nacheinander auf und fordert sie dazu auf, ihre Aktionen auszuführen. So wählen die Wölfe durch Gesten gemeinsam ein Opfer aus. Die Hexe verfügt über einen Gift- und einen Heiltrank, mit dem sie die von den Werwölfen ausgewählten Opfer retten oder ihrem Schicksal überlassen kann. Das kleine Mädchen darf nachts heimlich blinzeln, um so herauszufinden, wer die Werwölfe sind.

Am Tag wachen alle Spieler auf. Das von den Wölfen ausgewählte Opfer scheidet aus der Runde aus. Nun beginnt eine hitzige Diskussion darüber, wer ein Werwolf sein könnte, die in einer Abstimmung endet. Der Spieler, der die meisten Stimmen erhält, scheidet aus und es wird wieder Nacht.

Das Spiel endet, sobald entweder alle Werwölfe oder alle Bürger „tot“ sind.

Das Spannende an dem Spiel ist, dass man sich nie sicher sein kann, wer gerade welche Rolle hat. Ich finde das Spiel (Achtung, jetzt kommt ein Lehrer-Klischee-Wort) pädagogisch wertvoll, da die Schüler lernen zu argumentieren, um den Verdacht abzuwenden, der Werwolf zu sein. Das Spiel verlangt den Spielern auch ein hohes Maß an Konzentration ab. Gerade in der Nachtphase lernt man, gezielt auf Hinweise zu achten, welche die Werwölfe verraten könnten. Das kann manchmal nur ein kleiner Atemzug oder eine kaum hörbare Armbewegung sein. Besonders witzig ist es, wenn ein Schüler in der Diskussionsrunde fest davon überzeugt ist, ein Augenblinzeln oder eine Kopfdrehung beim Nachbarn gehört zu haben. Als Lehrer ist es auch ganz interessant, die Gruppendynamik während der Diskussionsrunden zu beobachten. Wer hat den größten Redeanteil, wer beteiligt sich eher beobachtend an dem Spiel und wer leistet die größte Überzeugungsarbeit?

Ich habe das Gefühl, dass dieses Spiel, welches ziemlich schnell die Vertretungsstunden, die letzten Stunden vor den Ferien und sogar die Pausen erobert hat, meine Klasse noch mehr zusammengeschweißt hat. Sie treffen sich sogar jetzt nach ihrem Abschluss noch zum “wolfen”.

„Black Stories“ und „Activity“ setze ich hin und wieder auch gerne im Unterricht ein. Kennt ihr weitere gute Spiele, die man mit Schülern spielen kann?

💜Sonja

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16 Gedanken zu “Die Werwölfe erobern die Schule

  1. solera1847 schreibt:

    Ich fand in kleiner Runde „Elfer raus“ und „Phase 10“ immer ganz nett, aber eben nur in begrenzter Gruppenstärke. Für alle in der Klasse habe ich als Musiklehrer ja noch andere Optionen (Liederbuch/-ordner raus, los geht’s!).

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    • tafeltanten schreibt:

      Ja stimmt, Phase 10 ist auch ein tolles Spiel. Dann bräuchte man für größere Gruppen vielleicht mehrere Exemplare, sodass in mehreren Gruppen gespielt werden kann. Unsere Klassen sind zum Glück immer sehr klein, da kann man dann solche Spiele ohne großes Durcheinander ganz gut durchführen. Aber stimmt, als Musiklehrer hast du natürlich noch ganz andere tolle Möglichkeiten! LG

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  2. fraukleineschwester schreibt:

    Werwolf habe ich schon mit einem begeisterten Chemie-LK gespielt. Der Kracher, wenn man dann auch noch einen Schüler hat, der einen guten Spielleiter abgibt und toll erzählen kann.

    Black Stories hat einen festen Platz in meiner Schultasche. In einigen Klassen hat es sich inzwischen eingebürgert, ein oder zwei Geschichten am Ende einer Doppelstunde zu enträtseln (wenn vorher gut gearbeitet wurde ;) ).
    Finde ich auch toll, weil sich die Schüler gut gegenseitig zuhören müssen, um nicht alles doppelt und dreifach zu fragen.

    Ich mag auch fachspezifische „Tabu“-Spiele, die muss man allerdings meist selber basteln ;)

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    • tafeltanten schreibt:

      Noch mehr Werwolf-Fans, wie genial😃 Das stimmt, es steht und fällt mit dem Spielleiter. Zum Glück gab es bis jetzt immer einen Schüler bzw. eine Schülerin, der/die das richtig gut moderieren kann. Ich würde das selbst glaube ich nicht so gut hinkriegen. Tabu finde ich auch sehr gut für den Fremdsprachenunterricht, aber da finde ich es immer schwierig, Begriffe zu finden, die zur Lerngruppe passen (weder zu leicht noch zu schwierig). LG

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  3. lilemykarikatur schreibt:

    Wir haben das früher mal auf ner Party gespielt. Mit Leuten, mit denen ich heute keinen Kontakt mehr habe :D bzw. Bis auf eine. Aber das Spiel war cool. Mich erinnert das immer so ein bisschen an Mord in der Disko, das haben wir in der Grundschule auf Geburtstagsfeiern gespielt 😂

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  4. chocokanel schreibt:

    Bohnanza ist auch sehr gut!
    Zunächst hört es sich auch etwas kompliziert aus und man muss sich erst hinein fuchsen aber hat man es erst einmal verstanden macht es wahnsinnig viel Spaß!

    Ab wie viel Jahre ist das Werwolf-Spiel?
    Macht es in der Grundschule Sinn?

    Liebe Grüße
    Hanna

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